Freitag, den 01. Juli 2005
Preise für Eis-Enten und Cineasten
Der Shantychor „De Klaashahns“ und der Filmverein „Ro-cine“ wurden gestern mit dem Kulturpreis der Hansestadt Rostock ausgezeichnet.
Stadtmitte Beim „Alten Matrosen“ wurde es richtig laut. Die Gäste im Festsaal des Rathauses klatschten begeistert im Takt – denn der Shantychor „De Klaashahns“ sang stimmgewaltig einige seiner beliebten Lieder wie das vom Matrosen oder „His em up“. Der nach einer Eis-Entenart, die früher in Warnemünde überwinterte, benannte Chor hatte gestern allen Grund zur Freude: Die Mitglieder erhielten den Kulturpreis 2005 der Hansestadt Rostock.
Aber „De Klaashahns“ blieben in ihrer Freude nicht allein. In diesem Jahr wurde der Kulturpreis gleich zweimal vergeben. Ebenfalls ausgezeichnet wurde der Rostocker Filmverein „Ro-cine“, Träger des „Lichtspieltheaters Wundervoll“ (Li.Wu.). Bei knappen Haushaltskassen würden nichtkommerzielle Kinos oder Filmclubs häufig als erste von Förderungen ausgeschlossen – nicht so in Rostock, sagte Olaf Jelinski, Vorsitzender der Fördervereins. „Ich bin sehr froh, dass man unsere Arbeit zu schätzen weiß.“
Rostocks Kultursenatorin Ida Schillen betonte, dass die Hansestadt den Filmverein „Ro-cine“ finanziell unterstütze, weil ein nichtkommerzielles Kino wichtig für das Kulturleben der Stadt sei. Frau Schillen hob auch die „herausragende Kinder- und Jugendarbeit, die der Verein leistet“, hervor. Ein „großes Engagement für den künstlerisch anspruchsvollen Film bedeutet auch monatlich erneut den Spagat zwischen ambitionierter Spielplangestaltung“ und dem „wirtschaftlichen Druck einer satten Kinolandschaft in Rostock“ zu überstehen, so die Senatorin.
Als eine „Visitenkarte der Hansestadt Rostock“ bezeichnete Oberbürgermeister Roland Methling den Shantychor „De Klaashahns“, der in ganz Deutschland, den Ostseeanrainerstaaten und sogar in Chicago gesungen und so für Rostock geworben habe. „,De Klaashahns' gehören zu Warnemünde wie Sonne, Wind und Meer“, sagte Methling. Vor mittlerweile mehr als 40 Jahren gegründet trage der Chor „mit der Pflege und Verbreitung des traditionellen Liedgutes und der niederdeutschen Sprache wesentlich zur Vielfalt des kulturellen Angebots“ in Rostock bei.
Methling verwies auf das Engagement der Stadt, die in diesem Jahr 22,6 Millionen Euro für die Kultur ausgebe, davon „1,5 Millionen Euro für die freie Szene“. Der Kulturpreis wird nach Angaben der Stadtverwaltung seit 1958 verliehen. Der diesjährige Preis ist mit 3500 Euro dotiert, das Geld geht jeweils zur Hälfte an die beiden Preisträger. Außerdem erhielten „De Klaashahns“ und „Ro-cine“ eine vom Künstler Wolfgang Friedrich gestaltete Kleinplastik.
AXEL MEYER
Freitag, den 01. April 2005
Löffel abgeben wollte keiner
Warnemünde
Weil neulich ein nassforscher Jung-Liberaler der FDP gebarmt hatte, die Alten mögen doch nun endlich den Löffel abgeben, forderte Gerhard Lau vor der jüngsten Knurrhahnrunde deren Besucher auf, entsprechendes Besteck bei ihm abzuliefern. Nichts! Die Alten hörten nicht und gaben keine Löffel ab.
Mitten in die Knurrhahnrunde drang eine Abordnung des Shantychores „De Klaashahns“ ein. Aus gutem Grund? „Also, ich weiß nichts“, tat Schauspieler Lau kund. Klaashahn-Chef Rüdiger Noll trat zur Zeremonie und machte seinen Vorgänger Rolf Wendt und Gerhard Lau zu Klaashahns „Ehrenmitglieder auf Lebenszeit“. Lau versprach daraufhin, auch künftig nicht professionell zu singen. Wohl auch, um die Kultur in Warnemünde in der Zukunft nicht noch mehr zu gefährden. Soll das Ostseebad in Anspielung auf das leichte Gewerbe künftig „Warnesünde“ heißen? Eindeutig sind nur die Avancen im Establishment. Aber Geldwäsche, Erpressung? Rund herum tauchen die nebulösen Zuordnungen bizarr im Rotlicht ein.
Soll der Ort vielleicht „Warneplünde“ heißen? Wegen der Schandflecken hier und da, der prolligen Verkaufskultur mit dem Gehänge von der Stange? Oder weil „ein Stückchen Kultur in Warnemünde verloren geht, wenn Eigentümer die Fassaden ihrer Häuser verschandeln?“ Die Knurrhähne meinen da auch das Restaurant „Pier 46“, dessen Besitzer ihrer Meinung nach unrechtmäßig die alte Veranda weggerissen hat.Spätestens an dieser Stelle wurde es heikel in der Veranstaltung. Schon früher mahnte das Gründungsmitglied der Knurrhähne, der leider immer noch erkrankte Fritz Roggelin – weiterhin beste Genesungswünsche! – , „dass die Stammtischrunde zu Sachthemen finden müsse, die die Glaubwürdigkeit
der Knurrhähne auch bekräftigen.“ Der Mittwochabend bewies, wie leicht die Runde ins bedeutungslose Nichts abrutschen kann.
"Pier 46"- Besitzer ist getan. Den Mann in der Runde zuhören oder zu befragen, wäre der richtige Weg gewesen. Die Knurrhahnrunde muss wieder zu mehr Substanz kommen, sonst lebt sie sich aus. So hart stehen seit Mittwoch die Dinge im Raum.
Andreas Golz
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